Die Zeitschrift WirtschaftsWoche schreibt in Ihrer Ausgabe vom 8.11.2010 in Ihrem Artikel ‘Die Schlacht im Schaufenster’ über die Fehler im System der Privaten Krankenversicherungen.
Müssten die Zeiten in der PKV nicht rosig sein? Weit gefehlt, stellt die Autorin Anke Henrich zu Recht fest. Trotz verbesserter politischer Bedingungen
( Verkürzung der Wartezeit zum Übertritt in die PKV ) sind die Aussichten trügerich.
Folgende negative Kriterien führt die Autorin auf:
Durch die Finanzkrise erwirtschaften einige Versicherer nur noch niedrigere Erträge für die Altersrückstellungen. Beitragsanpassungen gerade für ältere Kunden sind dadurch unausweislich.
Provisionskrieg in der Branche. Die Branche kannibalisiert sich selbst.
Das Modell der Altersrückstellung wackelt.
Immer teurer. Die Anpassungen werden in diesem Jahr (2011) überproportional sein.
Günstige Einsteigertarife gießen zusätzlich Öl ins Feuer.
Die Versicherer rücken die Informationen nicht heraus
Skrupellose Vertriebler verwerten Ihre Kunden mehrmals.
Mit vielen der o.a. Kriterien werde ich tagtäglich konfrontiert. Deshalb möchte ich dies aus meiner Sicht kommentieren. Vorab dazu erst einmal
einige grundlegende Aussagen:
Die Entscheidung für die PKV sollte letztlich eine einmalige, lebenslange Entscheidung sein. Bei der Wahl des richtigen Anbieters kann die momentane Situation nicht alleine ausschlaggebend sein. Beitragsentwicklungen, Tariffestigkeit und die richtige Wahl des Anbieters müssen eine hohe Priorität bei der Wahl der geeigneten PKV haben (billig angelockt und später abgezockt, kann nicht im Sinne des Kunden sein)
Der Wechsel von einer Gesellschaft zur anderen sollte auf jeden Fall vermieden werden.
Mögliche Beitragsersparnisse sollten, mindestens jedoch teilweise, angespart werden (die Kosten zur Erhaltung unserer Gesundheit werden steigen)
Zu den einzelnen Punkten:
Niedrigere Altersrückstellungen: Die Altersrückstellungen sind entscheidend für die Beitragshöhe im Alter. Von daher ist es sehr wichtig, dass die gewählte Private Krankenversicherung auch in der Lage ist, diese ordentlich zu bilden. Nur mit einer guten Altersrückstellung ist die Private Krankenversicherung auch im Alter bezahlbar. Neben der richtigen Wahl des Versicherers ist auch die Wahl des Tarifs eine wichtige Komponente für die Altersrückstellung. Bei Billigtarifen werden i.a. Regel die niedrigsten Altersrückstellungen gebildet.
Provisionskrieg: Lassen Sie sich nicht abzocken! Wenn ein Vermittler Sie nach Abschluss einer PKV zur nächsten Hauptfälligkeit in eine neue Gesellschaft transferieren möchte, hat er nicht Ihre Interessen im Sinn. Sie erleiden nur Verluste und laufen u. U. Gefahr Obliegenheitsverletzung zu riskieren.
Altersrückstellung wackelt: Neben der Wahl des Versicherers spielt der vorhandene Tarif eine entscheidende Rolle. Ist mein Tarif geschlossen, wird er noch aktiv vom Versicherer angeboten? Viel zu oft werden Minderungen an den Altersrückstellungen in Kauf genommen, weil zu lange in alten und geschlossenen Tarifen geblieben wird. In aller Regel ist ein Wechsel in einen aktiven Tarif dazu noch günstiger.
Beitragsanpassung 2011: Die Beitragsanpassung 2011 wird für viele recht happig ausfallen. Überprüfen Sie Ihren Versicherungsschutz und wechseln Sie in aktuelle Tarife. Diese sind meistens günstiger. Nach §204 VVG haben Sie ein Anrecht auf einen Wechsel mit gleichartigem Versicherungsschutz.
Günstige Einsteigertarife: Glauben Sie wirklich, dass ein umfassender Krankenversicherungsschutz von ca. 59 Euro im Monat mittel- und langfristig machbar ist? Erfahrungsgemäß sind gerade solche Einsteigertarife Feuerwerke der Beitragsexplosionen. Ihre Krankenversicherung begleitet Sie lebenslang, deshalb informieren Sie sich umfassend und unabhängig.
Versicherer rücken Informationen nicht raus: Die Kalkulationen sind geheime Kommandosache. Jahresbilanzen werden mit Ausnahme der Aktiengesellschaften nur spärlich veröffentlicht. Legt ein Versicherer neue, gleiche und günstigere Tarife auf, dürfen Sie nicht erwarten, dass er Sie darüber informiert. Gerade von ‘gebundenen Versicherungsvermittler’ können Sie hierbei wenig Hilfe erwarten. Sogenannte Minusumwandlungen bedeuten nicht nur Bestandsreduzierung, sondern auch Ärger mit der Vertriebsleitung, wenn nicht zusätzliche Produkte verkauft wurden.
Skrupellose Vertriebler: Werden Sie hellhörig, wenn Ihr Ansprechpartner nach 12 oder 24 Monaten eine andere, neue, bessere und beitragssichere Krankenversicherung verkaufen möchte. Nicht immer ist das in Ihrem Interesse. Denken Sie bitte daran, dass vorhandene Altersrückstellungen in aller Regel unwiderruflich verloren sind.